Quick facts
- Sprache
- Darija, Französisch
- Einwohner
- ca. 1,2 Millionen
- Flughafen
- Fes-Saïss (FEZ)
- Ideal für
- Medina, Geschichte, Handwerk, Kultur
Warum man Fes besuchen sollte
Wenn Marrakech Marokkos verführerischste Stadt ist, dann ist Fes die tiefgründigste. Im 9. Jahrhundert gegründet, ist Fes el-Bali — die alte Medina — das weltgrößte lebendige autofreie Stadtgebiet: ein UNESCO-Welterbe mit rund 9.400 Gässchen, die auf etwa drei Quadratkilometern gedrängt liegen. Wer sie betritt, fühlt sich weniger wie in einem historischen Viertel als vielmehr körperlich ins Mittelalter versetzt — mit dem entscheidenden Unterschied, dass diese mittelalterliche Welt nie aufgehört hat zu existieren. Die Gerber arbeiten noch immer in denselben Becken wie ihre Vorfahren vor acht Jahrhunderten, die Lederhändler stapeln ihre Waren noch in denselben Türöffnungen, und Maultiere tragen Güter durch Gänge, die für Motoren zu eng sind.
Was Erstbesucher am meisten überrascht, ist die Dichte an intellektuellem und religiösem Erbe. Al Qarawiyyin, 859 n. Chr. von Fatima al-Fihri gegründet, ist nicht nur eine Moschee, sondern die älteste kontinuierlich betriebene Universität der Welt. Fes war das intellektuelle Zentrum der islamischen Welt während Europas Dunklen Zeitaltern und brachte Gelehrte hervor, deren Werke Toledo und Palermo erreichten. Die Stadt trägt diese Geschichte ohne Selbstgefälligkeit — sie lebt sie einfach.
Fes belohnt langsame, geduldige Erkundung. Wer ein paar Tage hier verbringt — am besten mit einem kundigen Reiseführer für zumindest einen Vormittag — wird einen tieferen Eindruck gewinnen als nach einer Woche in vielen anderen Reisezielen.
Anreise
Per Flugzeug: Der Flughafen Fes-Saïss (FEZ) liegt 15 km südlich der Stadt. Ryanair verbindet ihn mit London Stansted, Brüssel und anderen europäischen Städten. Royal Air Maroc bedient Casablanca, von wo Anschlüsse problemlos möglich sind. Ein Grand Taxi vom Flughafen zur Medina kostet ca. 150–200 MAD (€15–20) für das gesamte Taxi; Preis vorher aushandeln oder auf Mitfahrer warten.
Per Zug: Die Strecke Marrakesch–Casablanca–Fes ist Marokkos meistbefahrene Bahnverbindung. Der Bahnhof liegt in der Ville Nouvelle, 3 km von der Medina entfernt. Fahrzeit ab Casablanca: 3,5 Std.; ab Marrakech: ca. 7,5 Std. (meist mit Umstieg in Casa-Voyageurs). Tickets ab Casablanca ab 110 MAD in der zweiten Klasse.
Per Bus: CTM betreibt komfortable Fernbusse aus den meisten marokkanischen Städten. Der Busbahnhof ist 15 Minuten per Taxi von der Medina entfernt. Fahrt ab Marrakech: 8–9 Std. (Nachtbus). Ab Chefchaouen: 3,5 Std.
Fortbewegung vor Ort
Zu Fuß: Die einzig praktikable Möglichkeit, Fes el-Bali zu erkunden. Die Gassen sind eng, uneben und nicht beschriftet. Die App Maps.me mit der Fes-Offline-Karte ist überraschend präzise, selbst in den tiefsten Gässchen.
Kleine Taxis (Petits Taxis): Blaue Taxis verkehren innerhalb der Stadt zwischen den Vierteln (Fes el-Bali, Fes el-Jdid, Ville Nouvelle). Ansprechen oder das Riad bitten, eines zu rufen. Die meisten Fahrten innerhalb der Stadt: 15–30 MAD.
Reiseführer: Die Beauftragung eines zugelassenen Führers (offizielle Reiseführer tragen ein bronzefarbenes Abzeichen) für mindestens einen halben Tag ist jeden Dirham wert. Die Medina ist wahrhaft labyrinthisch, und ein guter Führer erschließt Kontext, Handwerksbetriebe und versteckte Innenhöfe, an denen unabhängige Besucher achtlos vorbeigehen. Preise: 300–500 MAD pro halben Tag. Das Riad kann einen seriösen Führer vermitteln, oder man bucht eine Fes-Halbtagstour online.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
Fes el-Bali erkunden
Die Altstadt ist der Grund zu kommen. Man betritt sie durch Bab Bou Jeloud — das blau-gekachelte Zeremonialtor — und folgt der Talaa Kebira, der Hauptachse, bergab ins Herz der Medina. Nicht versuchen, alles auf einmal zu sehen. Zwei oder drei Ankerpunkte wählen (Madrasa, Gerberei, Moschee) und sich dazwischen treiben lassen. Sich zu verlieren ist kein Problem; die Medina ist endlich, und jede Gasse führt irgendwann wieder zu einer anderen.
Geführte Fes-Medina-Tour buchenChouara-Gerberei
Die bekannteste Sehenswürdigkeit von Fes: Chouara ist eine der ältesten Gerbereien Marokkos und wird seit über 900 Jahren betrieben. Der beste Blick bietet sich von den darüberliegenden Lederläden — die Händler laden mit einem Minzzweig (gegen den Geruch) nach oben ein. Man beobachtet die Arbeiter, die hüfttief in kreisförmigen Steinbecken aus Taubenmist, Safran, Mohn und Indigo stehen und Häute auf überlieferte Weise gerben und färben. Morgens kommen, wenn das Licht am besten und die Arbeiter am aktivsten sind. Eintrittskarte für die Chouara-Gerberei buchen — oder die Gerberei als Teil einer umfassenderen Medina-Tour besuchen: Fes-Museum, Al Attarine, Gerberei und Medina-Tour buchen.
Bou-Inania-Madrasa
Im 14. Jahrhundert vom Meriniden-Sultan Bou Inan erbaut, ist diese ehemalige Koranschule das schönste Beispiel mittelalterlicher marokkanischer Architektur, das Nichtmuslimen zugänglich ist. Die geschnitzten Zedernholzgitter, aufwendige Stuckpanele und das schwarz-weiße Marmorwerk erreichen ein Detailniveau, das wahrhaft beeindruckt. Eintritt: 70 MAD. Eine geführte Tour durch Königspalast, Bou Inania, Gerbereien und Souks in einem Durchgang ist der effizienteste Weg, die Highlights zu erleben — Tour zu Königspalast, Madrasa, Gerberei und Souks buchen.
Al-Qarawiyyin-Moschee und Universität
Die älteste Universität der Welt (gegründet 859 n. Chr.) und eine der größten Moscheen Marokkos. Nichtmuslime dürfen die Moschee nicht betreten, aber der Eingang ist sehenswert, und die Bibliothek der Universität — restauriert unter der Leitung der Architektin Aziza Chaouni — beherbergt über 4.000 alte Manuskripte. Die Bibliothek ist gelegentlich für Besucher zugänglich; beim Reiseführer nachfragen.
Al-Attarine-Madrasa
Angrenzend an Al Qarawiyyin besitzt diese Madrasa aus dem 14. Jahrhundert einen kleineren, aber ebenso prächtigen Innenhof. Eintritt: 10 MAD, selten überfüllt — eine bessere Fotogelegenheit als die stärker besuchte Bou Inania.
Borj-Nord-Waffenmuseum
Die im 16. Jahrhundert von Portugiesen erbaute Festung oberhalb der Medina beherbergt ein Museum marokkanischer Bewaffnung und bietet den besten Panoramablick über das Medina-Meer aus Satellitenschüsseln, Minaretten und Zedernterrassen. Eintritt frei; der Aufstieg ist steil.
Merinidengräber
Noch weiter den Hügel hinauf als Borj Nord liegen die weitgehend verfallenen Merinidengräber aus dem 14. Jahrhundert — der Ausblick von hier, besonders zur goldenen Stunde, ist atemberaubend.
Stadtteile
Fes el-Bali: Die ursprüngliche Medina aus dem 9. Jahrhundert und das Herz von allem. In zwei Stadtteile aufgeteilt — Andalusier (Ostufer des Oued Fes) und Kairouaniner (Westufer) — beherbergt sie die große Mehrheit der historischen Monumente, Handwerksviertel und traditionellen Riads.
Fes el-Jdid: Im 13. Jahrhundert als Königsviertel gegründet, enthält es den Dar el-Makhzen (Königspalast, nur Außenansicht), ein prächtiges jüdisches Mellah und das Moulay-Abdallah-Viertel. Interessant als Verbindung zwischen Besichtigungen.
Ville Nouvelle: Ab 1916 vom französischen Protektorat angelegt — ein klassisches Kolonialraster aus Boulevards, Cafés, Banken und Restaurants. Hier liegt der Bahnhof. Weniger historisch, aber ruhig und leicht zu navigieren — gut für einen Abendspaziergang und Abendessen außerhalb der Medina.
Unterkunft
Luxus (ab 3.000 MAD / €300 pro Nacht)
Riad Fes ist der Maßstab für Luxusriads in der Stadt: 30 Zimmer, Dachpool, Hammam und ein Restaurant, das als eines der besten der Medina gilt. Die Lage nahe Bab Guissa bringt einen nah an die Gerbereien.
Palais Amani ist ein umgebauter Palast aus dem 19. Jahrhundert mit 14 Suiten, zwei Pools und einem ummauerten Garten, der angesichts der Medina-Lage bemerkenswert ist.
Mittelklasse (600–1.800 MAD / €60–180 pro Nacht)
Dar Bensouda ist ein wunderschön restaurierter Palast aus dem 18. Jahrhundert mit Mosaikhöfen, geschnitzten Stuckdecken und herzlichen Gastgebern.
Riad Laaroussa bietet 10 Zimmer in einem Riad aus dem 17. Jahrhundert mit Tauchbecken, Hammam und einer der besten Frühstücksterrassen der Medina.
Budget (unter 500 MAD / €50 pro Nacht)
Dar Seven ist ein sauberes, gut geführtes Riad nahe Bab Bou Jeloud mit freundlicher Atmosphäre und einer Dachterrasse.
Essen und Trinken
Dar Roumana (5 Derb el Amer, Zkak Romman) ist das feinste Restaurant in Fes — Koch Vincent Bielaud serviert raffinierte franko-marokkanische Küche. Drei Gänge: 350–500 MAD. Reservierung erforderlich.
The Ruined Garden (15 Derb Idrissy) ist ein atmosphärisches Restaurant in einem ummauerten Garten innerhalb eines verfallenden Riads. Besonders gut zum Mittagessen (130–200 MAD für ein Hauptgericht).
La Recreation (außerhalb Bab Bou Jeloud) ist ein entspanntes Café-Restaurant, beliebt bei Einheimischen und Reisenden. Solide marokkanische Gerichte, faire Preise. 80–150 MAD pro Person.
Restaurant Fassi im Riad Fes: Für ein einmaliges Abendessen-Highlight lohnt sich ein Besuch, auch wenn man nicht dort übernachtet. Die Bastilla (Taube oder Meeresfrüchte) ist außergewöhnlich.
Streetfood an den Plätzen Rcif und Seffarine: Msemen mit Honig und Butter, Harira-Suppe mit einem hartgekochten Ei und frisch gepresster Orangensaft — alles an kleinen Ständen für 10–20 MAD. Das Frühstück auf dem Seffarine-Platz, umrahmt vom Hämmern der Kupferschmiede, ist ein Fes-Ritual.
Kochkurs: Fes-Kochkurse widmen sich der unverwechselbaren Küche der Stadt — Bastilla, Trid und Rfissa, die sich deutlich von der Tajine-dominierten Süd-Küche unterscheiden. Fes Marktbesuch und Kochkurs buchen — oder einen Abendkurs mit Dinner in einem traditionellen Riad: Fes Kochkurs mit Riad-Dinner buchen. Für die kombinierte Medina-Wanderung mit Kochkurs: Fes Kochkurs mit Medina-Besuch buchen.
Tagesausflüge von Fes
Volubilis und Meknès: Marokkos beste Römerruinen bei Volubilis (UNESCO-Welterbe mit intakten Mosaiken und Triumphbögen) lassen sich hervorragend mit der Kaiserstadt Meknès kombinieren — dem Versailles Marokkos, erbaut von Sultan Moulay Ismail. Tagesausflug nach Meknès und Volubilis von Fes buchen. Oder mit Moulay Idriss erweitern: Volubilis, Moulay Idriss und Meknès Tagestour buchen.
Chefchaouen: Die Blaue Perle des Rif-Gebirges liegt 3,5 Stunden von Fes entfernt. Ein Tagesausflug ist möglich, eine Übernachtung jedoch viel besser. Chefchaouen ist ein visueller und emotionaler Kontrapunkt zur urbanen Dichte von Fes — Chefchaouen-Tagesausflug von Fes buchen.
Mittlerer Atlas — Ifrane und Azrou: Eine völlig andere Seite Marokkos erwartet eine Stunde südlich: Zedernwälder, Berberaffen und das Schweizer-Chalet-Städtchen Ifrane auf 1.650 m. Ein perfekter Kontrast zur Hitze der Medina — Mittlerer Atlas, Ifrane und Affenwald Tagesausflug buchen.
2-Tage-Nordschleife: Wer einen zusätzlichen Tag hat, kann Volubilis, Meknès und Chefchaouen in einer 2-Tages-Schleife von Fes aus kombinieren — eine der schönsten kleinen Rundreisen in Nordmarokko. 2-Tage-Tour Volubilis, Meknès und Chefchaouen von Fes buchen.
Muster-Zweitages-Itinerar
Tag 1 — Tief in der Medina Morgens: Lizenzierter Führer für 4 Stunden. Start an Bab Bou Jeloud, Talaa Kebira zur Bou-Inania-Madrasa, weiter zur Al-Attarine-Madrasa, Al Qarawiyyin und zum Aussichtspunkt der Chouara-Gerberei. Mittags: Mittagessen im Ruined Garden. Nachmittags: Eigenständige Erkundung der Viertel Seffarine (Messing) und Cherratine (Leder). Sonnenuntergang: Merinidengräber für den Ausblick. Abends: Abendessen im Dar Roumana (Reservierung erforderlich).
Tag 2 — Volubilis, Meknès und ein ruhigerer Morgen Früh: Frühstück in einem Dachcafé über der Medina. 9 Uhr: Abfahrt nach Volubilis (1,5 Std. Fahrt). Römerruinen erkunden (2 Std.). Mittagessen in Meknès, dann Bab Mansour, Mausoleum von Moulay Ismail und die Medina besichtigen. Rückkehr nach Fes am frühen Abend.
Praktische Hinweise
Inoffizielle Reiseführer: Unautorisierte Führeranbieter sprechen einen an Bab Bou Jeloud an und behaupten, die Medina sei geschlossen oder es gäbe ein Fest. Höflich ablehnen und einen offiziellen Führer über das Riad buchen.
Fotografieren in den Gerbereien: Man wird in Ledershops eingeladen, die Gerbereien von der Terrasse aus zu sehen — das ist echter Zugang, kein Trick, aber es besteht eine unausgesprochene Erwartung, die Lederwaren anzuschauen. Kaufen ist keine Pflicht, aber Respekt ist angebracht.
Maultiere haben Vorrecht: Voll beladene Maultiere sind die Lastwagen der Medina. Wenn man „balek, balek” (Achtung, komme vorbei) hört, sofort an die Wand drücken.
Budget: Fes ist deutlich günstiger als Marrakech für Essen und Unterkunft. Ein gutes Mittelklasse-Riad, Mahlzeiten und Eintrittspreise sind für 800–1.200 MAD pro Tag möglich.
Häufige Fragen zu Fes
Brauche ich einen Reiseführer in Fes?
Streng genommen nicht, aber für den ersten Besuch wird die Buchung eines offiziellen Führers für zumindest einen Vormittag dringend empfohlen. Die 9.400 Gassen der Medina sind wirklich desorientierend, GPS ist stellenweise unzuverlässig, und ein guter Führer erschließt Werkstätten, kulturellen Kontext und Aussichtspunkte, die die meisten unabhängigen Reisenden vollständig verpassen.
Wie lange sollte man in Fes verbringen?
Zwei volle Tage sind das Minimum für einen bedeutungsvollen Besuch — einen Tag für die Medina mit Führer, einen für die Gerbereien und einen Tagesausflug. Drei Tage sind komfortabler und ermöglichen Volubilis, das Mellah und ruhigere Souk-Erkundung.
Ist Fes el-Bali sicher, um alleine zu erkunden?
Ja. Fes el-Bali ist generell sehr sicher. Die größte Frustrationsquelle für Alleinreisende sind die aufdringlichen Anbieter nahe Bab Bou Jeloud. Tiefer in der Medina, abseits des Haupttors, verändert sich die Dynamik — die Stadt wirkt organischer und weniger performativ.
Wann ist die beste Reisezeit für Fes?
März bis Mai und September bis November sind ideal: milde Temperaturen, überschaubare Menschenmassen und gutes Licht für Fotografien. Sommer ist heiß und schwül in den engen Medina-Gässchen. Winterabende sind kalt, aber die Stadt ist atmosphärisch.
Kann ich als Nichtmuslim die Al-Qarawiyyin-Moschee besuchen?
Die Moschee selbst ist für Nichtmuslime geschlossen. Die kürzlich restaurierte Bibliothek ist gelegentlich zugänglich — beim Riad oder Reiseführer nach aktuellen Zugangsregeln fragen, da diese sich ändern können.
Was sollte man in Fes kaufen?
Fassi-Lederwaren (besonders Taschen, Geldbörsen und Babouche-Pantoffeln direkt aus dem Gerbereibezirk) sind das Berühmteste. Fassi-Zellige (handgeschnittene Mosaikfliesen), traditionelle Töpferwaren aus dem Töpferviertel in Fes el-Jdid und bestickte Seidenkaftane sind ebenfalls Spezialitäten der Stadt.